2 Jahre Hamburg

2 Jahre Hamburg. Eine lange Zeit. Stichtag 13.07.2015. Zeit einmal kurz inne zu halten. Die letzten 2 Jahre Revue passieren zu lassen..

Vor genau 2 Jahren bin ich in mein Auto gestiegen, mit nichts als Klamotten für die kommenden 3 Wochen.
Warum? Ich konnte meine Wohnung erst zum 01.08.2015 beziehen.
Was das erst einmal für mich bedeutete? 1 Woche Airbnb, 2 Wochen in der Wohnung einer Freundin (die zu diesem Zeitpunkt im Urlaub war). Witzigerweise wohne ich seit einem halben Jahr jetzt genau in dieser Wohnung meiner Freundin. In der quasi alles begann.

Ich hatte nie geplant aus meiner Heimat weg zu ziehen. So etwas kam für mich überhaupt nicht in Frage. Ich war ein absoluter Familienmensch. Ein Mamakind durch und durch. Konnte mir niemals vorstellen dem Frankenland den Rücken zuzukehren. Wieso auch? Ich hatte dort einen Job, meine Familie, meine Freunde, einen Freund und einfach mein Leben.
Doch irgendwann kommt der Punkt im Leben, da hinterfragt man alles.
Ist mein Job der Richtige? Schließlich bin ich bereits seit der Ausbildung, also seit 7 Jahren, in ein und der selben Firma.. Bin ich in meiner Beziehung glücklich? Lebe ich meine Hobbies voll aus? Kann ich in jeder Lebenslage ich selbst sein? Und vorallem.. Was kommt als nächstes?
Manchmal stagniert das Leben. Alle um einen herum entwickeln sich weiter, heiraten, bekommen Kinder, bauen Häuser. Scheinen in einer „perfekten Welt“ zu leben. Sind glücklich. Man selbst ist gefangen. In seinem Trott. Denkt zu wissen, was der „richtige Weg“ für einen ist und verfolgt diesen stur. Ohne mal darüber nachzudenken, ob man so gerade überhaupt glücklich ist.

Auszeit. Mal rauskommen. In eine andere Stadt fahren. Eine Freundin besuchen.
Und in Hamburg, bei Rike, wurde es mir auf einmal klar:

Hier bin ich ich! Hier fühle ich mich frei! Hier fühle ich mich wohl! Hier fühle ich mich glücklich. Hier möchte ich leben!

Ich kann euch sagen: mehr habe ich nicht gebraucht, um zu entscheiden, dass ich nach Hamburg möchte. Ich habe auch nicht lange rum getan. Ich habe mir das Ganze noch 2 Tage durch den Kopf gehen lassen, erst dann habe ich meine engsten Freunde und meine Familie eingeweiht, mich von meinem Freund getrennt. Und dann habe ich mich einfach beworben und nach Wohnungen Ausschau gehalten. Und Schwupps. 2 Monate später war ich hier.
Ihr denkt vielleicht immer, dass ich nur so daher rede, wenn ich sage „einfach mal machen, nicht zu lange überlegen“. Wie ihr nun seht, lebe ich wirklich nach diesem „Grundsatz“. Ich stelle mir einfach die Frage, wie wichtig mir etwas ist und ob ich es bereuen würde, wenn ich es anders machen würde. Und dann mache ich es einfach. Was kann im „schlimmsten Fall“ passieren? Es kann eine Erfahrung werden. Ob sie gut oder schlecht ist, liegt immer im Auge des Betrachters 😉

2 Jahre Hamburg also..
Es war nicht immer leicht. Es war sogar ziemlich hart.
Wenn man es gewohnt ist, dass man einen großen Freundeskreis um sich herum hat und seine Familie regelmäßig sieht, dann kann man sich in einer so großen Stadt ziemlich schnell ziemlich einsam fühlen.
Man lässt sein komplettes Leben hinter sich. Man ist traurig, man hat Sehnsucht, man hat Zweifel, man weint. Man fängt von vorne an. Muss sich etwas neues aufbauen.
Im ersten Jahr habe ich nicht nur einmal darüber nachgedacht meine Sachen wieder zu packen und zurück zu gehen. Aber ich habe mir fest vorgenommen Ein Jahr hältst du aufjedenfall durch, Dani!!
Ich habe also weiter gekämpft. Habe viel Sport gemacht, Menschen getroffen. Versucht Freundschaften aufzubauen. Den Freundeskreis erweitern. Zu leben. Ich war viel alleine. Habe viel mit mir selbst ausgemacht. Alte Dinge verarbeitet. Auf mich gehört. Ich wurde selbstständig. Eine Zeitlang sogar gefühlskalt. Habe nichts und niemanden näher an mich heran gelassen, als notwendig. Habe mir selbst nicht erlaubt zu fühlen. Denn ich wusste, wenn ich Liebe (ob nun zu Freundinnen oder Männern) wieder empfand, würden auch mit aller Wucht alle anderen Emotionen/Gefühle hoch kommen. Dafür fühlte ich mich lange nicht bereit. Ich konnte mein altes Leben lange nicht loslassen.

Ende August/September 2016 ging es für mich und Rike nach New York. Ein Urlaub, von dem wir beide schon immer geträumt hatten.
Was ich nie ausgesprochen hatte, aber die ganze Zeit im Hinterkopf hatte? Ich wollte diesen Urlaub noch machen und dann wieder in mein geliebtes Frankenland zurück kehren. Ich wollte aufgeben. Mir fehlte das alles so sehr. Ich hing in der Vergangenheit fest, konnte mich nicht voll und ganz auf die Gegenwart einlassen und die Zukunft machte mir Angst.
Was ich nicht erwartet hatte? Dass ich nach New York in das größte Loch meines bisherigen Lebens fiel. Ich habe geweint. Nein, das war nicht nur ein weinen. Das kam aus meinen tiefsten Tiefen. Es hat alles geschmerzt. Ich lag 2 Tage im Bett und konnte nicht mehr. Das war nicht nur ein „Nach-Urlaubs-Loch“.. Das war so viel mehr. Alle Emotionen wollten auf einmal raus. Die Stille nach einem so wahnsinnig magischen Urlaub hat mich noch mehr erdrückt.

Und dann? War es auf einmal vorbei. Der Schmerz war weg. Das Heimweh auch. Ich wusste auf einmal, was ich zuvor „falsch“ gemacht habe. Ich wusste wieder, worauf es ankommt. Warum ich unbedingt nach Hamburg ziehen wollte.

Und ab da ging es bergauf. Ich öffnete mich mehr. Ich öffnete mein Herz. Für die Stadt, für Freundinnen und ja sogar für einen Mann (was natürlich nach hinten los ging :-D). Aber ich fühlte mich zum ersten Mal angekommen. Ich wusste, dass ich nicht wieder zurück wollte. Ich lernte Hamburg besser kennen und vorallem lernte ich mich selbst noch besser kennen. Ich veränderte meine Einstellung zum Leben und zu mir selbst. Jeden Tag ein bisschen mehr.

Ich wurde von Tag zu Tag stärker, unabhängiger, selbstständiger. Ich konnte fühlen, worauf es im Leben für mich wirklich ankommt. Ich hatte auf einmal wieder Kraft. Ich hatte Lust. Ich spürte die Liebe zu Hamburg wieder. Ich spürte, was dieser Neustart aus mir gemacht hat. Ich war glücklich und zufrieden. Und ich bin es bis heute.
Ich bereue meine Entscheidung keine Sekunde. Es ist ok, dass es zwischendurch hart war. Es ist ok, dass ich Zweifel hatte. Wirklich. Es ist einfach ok. Denn genau dadurch ruft man sich immer wieder in Erinnerung, warum man das alles überhaupt macht oder gemacht hat.
Ich kann von mir selbst behaupten, dass ich eine wahnsinnige Entwicklung hingelegt habe. Ich habe unglaublich tolle Freundinnen dazu gewonnen, von denen ich weiß, dass sie immer in meinem Herzen und Leben sein werden.
Auch wenn ich meine Freunde und meine Familie zu Hause vermisse, manchmal mehr, manchmal weniger. Und auch, wenn es wahrscheinlich nie leicht sein wird, das alte Leben und das neue Leben gleich zu behandeln und allen gerecht zu werden. Letztendlich muss ich nur einem Menschen gerecht werden. Und zwar mir selbst.

Fürth wird für immer meine Heimat sein. Aber Hamburg ist für mich zu Hause. Hier möchte ich bleiben. ♥

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4 Gedanken zu “2 Jahre Hamburg

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